Auf nach Florida- Herb´s Erfahrungen

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      Auf nach Florida- Herb´s Erfahrungen

      Da gibt es leider nicht so wahnsinnig viel zu berichten! ;)
      (Ok, mit Zitaten wäre es mehr geworden. Aber ich darf ja nicht! :evil:

      Ich bin Ende des letzten Jahrhunderts (1998) beruflich nach Florida "ausgewandert"!
      Da die Zeit dort auf vier Jahre limitiert war, ist es keine echte Auswanderung
      gewesen.

      Ich lebte mit meiner Familie (Frau, Sohn und zwei Hunde) die gesamte Zeit direkt
      an einem der schönsten Strände der Welt, dem "Myracle Strip". (ca. 300 Km zusammenhängender
      weißer Strand)
      Den schneeweißen Sand und den "Gulf of Mexico" hatten wir vom Haus aus in Sichtweite!

      In den gesamten vier Jahren hatten wir sogar einmal nachts 0°! :(

      Wir wohnten am Rande der "City of Five Flags", wie Pensacola auch genannt wird.
      In Sichtweite, auf einer Insel die nur wenige hundert Meter vom Festlandstrand entfernt
      liegt, war der Apachenhäuptling "Geronimo" inhaftiert und man kann das gut erhaltene,
      steinerne Fort noch heute besichtigen!

      Nach entsprechenden Vorwegreisen durch mich, um Haus und Auto zu kaufen
      und eine Schule für den Sohn auszukundschaften ging es dann im September 1998 mit
      Sack und Pack rüber.

      Wir hatten den Streß mit den Hunden gerade überstanden und uns langsam unser
      Haus eingerichtet, als wir schon das erste Mal flüchten mußten!

      Ein Hurricane (indianisch: "Böser Geist") war im Anmarsch! $schreck

      Also wurde abgewartet und abgewartet, bis feststand, dass dieses gewaltige Teil mit Sicherheit
      unseren Landesabschnitt treffen würde. Dann ging es mit den Hunden im Auto auf den Weg
      Richtung Atlanta.

      Da die Hotels nun fast alle ausgebucht waren, fanden wir nur noch Unterkünfte, die zwar
      Frau, Sohn und mich aufnehmen wollten, aber nicht die Hunde! (Ich hätte es umgekehrt
      gemacht... ;) )

      Da die armen Kreaturen aber ihr Flugtrauma gerade erst überwunden hatten, konnte ich
      sie ja nicht alleine im Auto lassen!

      Deshalb Frau und Sohn ins Hotel und Herb mit Hunden auf dem Parkplatz im Auto! :(
      Aber genau dies ist in USA nicht ungefährlich und sogar teilweise verboten...
      So kam ich dann noch am gleichen Nachmittag zu meiner "Ruger 3.57 Magnum" :rolleyes: :whistling:

      Da uns die Zeit dort auf diese Weise zu lang wurde, entschloß ich mich - ganz pfadfindermäßig -
      zu einer äußerst coolen Aktion! :whistling:
      Ich beobachtete die Bewegungsrichtung des Hurricanes im TV, die ständig Richtung Nordwesten verlief.
      Deshalb beschloß ich, von unserem Standort, südlich von Atlanta, nach Osten Richtung Atlantik
      bis Jacksonville zu düsen und dann am Atlantik runter über Tallahassee zurück nach Hause zu
      fahren!
      Also sozusagen immer schön ostwärts vom Stürmchen! :rolleyes:

      Mehrere böse Fehler gleichzeitig gemacht!!! $guck

      Auf der Fahrt Richtung Osten streiften uns dann merkwürdigerweise Ausläufer des Hurricanes,
      obwohl der meiner Berechnung nach nun eher über Texas sein müßte. Da das Radio im Auto
      dann ausfiel machte ich den zweiten Fehler und fuhr einfach weiter, statt mir in irgendeinem
      Kuhkaff neue Info´s zu besorgen!
      :thumbdown:

      Das Mistding von Sturm hatte sich entschlossen, komplett die Richtung zu ändern!!! $schreck

      Dann traf es uns innerhalb einer Stunde mit voller Wucht! Zuerst sah ich auf der Motorhaube
      kaum noch den Chryslerstern vor lauter Regen und langsam ging der Sprit aus! Tanken war nicht,
      weil keine Tanke mehr geöffnet hatte.
      Wir erreichten ein "Small Town", was natürlich nun wie eine Geisterstadt war. Einfach irgendein Haus anzusteuern
      ist in solchen Fällen auch keine gute Idee, weil immer einige Hausbesitzer trotzdem zuhause bleiben und dann
      mit der Pumpgun hinter der Eingangstür sitzen um ihr Anwesen vor Plünderern zu schützen....

      Also fuhr ich die einzige Tanke in dem Kaff an (natürlich auch geschlossen und verramelt) und prüfte die
      Standfestigkeit des Gebäudes auf der windabgewandten Seite. Bei den üblichen Papphäusern dort, war es
      Zufall, dass die Tanke an ein altes steinernes Haus angebaut war. Wir parkten unsere Gurke dann mit
      30 cm Abstand auf der windabgewandten direkt an der Hauswand. Jetzt konnten wir nur noch abwarten!

      Aussteigen lebensgefährlich!
      Also flach auf den Autoboden, damit man von den Scheiben weg war...

      Es wurde dann nicht ganz so schlimm wie befürchtet: :whistling:

      Auto an der Hauswand völlig zerbeult und auf der anderen Seite waren einige
      umherfliegende Gegenstände eingeschlagen! Von wegen "windabgewandte Seite!"$guck

      Nach ein paar Stunden, die uns wie Tage vorkamen, war der Spuk dann fast vorbei
      und der Hurricane wurde auf "Tropical Storm" herabgestuft, was unseren schweren
      Orkanen in etwa gleichkommt. Nur die Wassermassen, die dann immer noch runterkommen
      sind nicht mit europäischen Verhältnissen zu vergleichen.

      Von der Nationalgarde und der Polizei gesperrte, völlig unterspülte und teilweise nicht
      mehr vorhandene Straßen, kamen uns nach dem Erlebnis nun wie ein Besuch in
      "Disney World" vor.

      Irgendwann wieder zuhause angekommen, wollte man uns nicht zu unserem Haus
      lassen, weil die Nationalgarde den Ortsteil wegen Plünderungsgefahr abgeriegelt hatte. :(

      Aufgrund meiner Military ID-Card ließ man uns dann aber durch!

      Mein lieber Scholli: Da sah es aus, wie nach dem Krieg in Berlin!!! $schreck

      Viele völlig zerstörte Häuser, einige beschädigte Häuser und Trümmer, die uns
      eine Weiterfahrt auf den letzten Kilometern nicht mehr ermöglichten.

      Also zu Fuß den Rest der Strecke abgelatscht und dann die endlich mal positive
      Überraschung:
      Als wir in unsere Straße kamen, war der gesamte Straßenzug völlig unversehrt.
      Nur einige Trümmer lagen rum.

      Wir nahmen unser Heim in Augenschein und tatsächlich war außer unserem Sonnenschirm,
      der wie ein Speer in der Hauswand der Gartenseite steckte, absolut nichts passiert!

      Dann mußte ich mich kurz darauf noch einmal als unwissender Germane outen! $guck

      Als ich den vor der Abreise abgedrehten Hauptwasserhahn in einer Sickergrube des Gartens
      wieder aufdrehen wollte, schrie mein Nachbar sowas wie: "Don´t touch it!" $schreck

      Daraufhin öffnete er mit einem Brecheisen den Deckel und leuchtete mit einer Taschenlampe
      rein. Mann oh Mann, die reinste Schlangenrube. $wooow Die Viecher waren halt nicht rechtzeitig
      nach Georgia gefahren sondern hatten dort Schutz gesucht!

      Eigentlich hatte ich die Schnauze von "Pascua Florida" (spanisch für Ostern) schon gestrichen
      voll!!! Wir waren erst gute 2 Wochen dort.... $unhappy

      So Blubb!
      An dieser Stelle ein Statement für bajuwarische Mädels:
      O-Ton:
      "Stell dich nicht so an! DU wolltest doch unbedingt hier hin!
      Ich habe Flugangst und werde mich niemals mehr in sone fliegende
      Konservenbüchse setzen. In vier Jahren fahre ich mit dem Schiff zurück!
      Jetzt kaufen wir uns ein Wohnmobil, falls sowas
      öfter vorkommt und dann fahren wir beim nächstenmal früher los und
      weit genug weg! Wenn hier die Bude wegfliegt, ist es doch nicht unsere eigene!"

      Wow! Flugangst und sich fast nix anmerken lassen!!! :thumbsup:

      Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass wir auf der Hinreise schon einen
      Tag länger in Washington ausharren mußten, weil da auch ein kleinerer
      Hurricane über Florida wütete :whistling: und wir nachts wegen eines falschen
      Feueralarms in Unterwäsche auf dem Parkplatz standen!

      Na ja! Warm war es ja glücklicherweise!!! :thumbup:

      Achso: Zweimal hatten wir noch eine Giftschlange in der Küche und einmal
      hatte sich ne Schwarze Witwe in meinen Stiefel gekuschelt.

      So! Wer jetzt immer noch dort hin will:

      Das waren die einzig negativen Dinge in vier Jahren außer vielleicht noch erwähnenswert,
      dass ich den 11. September 2001 live in Washington erleben durfte... :whistling:

      Ansonsten:

      Außer den oben geschilderten paar Tagen:
      - kein Sturm mehr, (abgesehen von ein paar Tornados, die aber alle vorbeigingen)
      - die schönsten Strände der Welt
      - Kochen überflüssig, weil man überall gut und günstig essen kann
      - außer einmal Frost, vier Jahre nur Sonnenschein
      - wahnsinnig freundliche Menschen dort
      - viele Freunde kennengelernt
      - Autos innerhalb einer Stunde kaufen und zulassen
      und und und!

      Wir würden es wieder tun! :thumbsup:


      Reicht das als Einstieg, Blubb? :P
      Man kann Pferde zum Wasser führen - aber saufen müssen sie schon selbst!

      Post was edited 7 times, last by “Matilda” ().

      Shogun54 wrote:

      FSU wrote:

      dass ich den 9. September 2001 live in Washington erleben durfte...

      Es war der 11....... (9/11) - ich war in Idaho und werde nie vergessen wie egal das Fernsehbild vielen Leuten im Coffeshop war - die haben einfach gefrühstückt und noch nicht mal hingesehen...............


      Da kannste mal sehen, wie die teilweise amerikanische Schreibweise
      des Datums noch verwurzelt ist.... :whistling:

      Aber daran soll es nicht scheitern:

      Ich werde es ändern... :D

      Aber es stimmt, was Du sagst. Es war für die Amerikaner einfach
      bis dahin überhaupt nicht vorstellbar, dass so etwas IN den USA
      passieren könnte....
      Die haben es lange für eine Verarsche gehalten!
      Man kann Pferde zum Wasser führen - aber saufen müssen sie schon selbst!